Was bedeutet Eigenverantwortung wirklich?

(Und warum sie nichts mit Selbstoptimierung zu tun hat)

Eigenverantwortung hat kein besonders gutes Image.

Viele verbinden damit:

  • Du musst alles alleine schaffen.
  • Reiß dich zusammen.
  • Stell dich nicht so an.
  • Funktioniere.

Ich verstehe Eigenverantwortung völlig anders.

Eigenverantwortung bedeutet nicht, alles alleine zu schaffen

Ein kleines Kind braucht andere Menschen. Das ist normal. Auch Erwachsene brauchen andere Menschen. Das ist ebenfalls normal. Eigenverantwortung bedeutet deshalb nicht Unabhängigkeit.

Sie bedeutet, Verantwortung für den eigenen nächsten Schritt zu übernehmen. Und dieser Schritt kann genauso gut sein: „Ich brauche Hilfe.“

Die Opferhaltung ist selten Faulheit

Viele Menschen schämen sich dafür, sich manchmal hilflos zu fühlen. Ich finde, genau dafür gibt es keinen Grund. Die sogenannte Opferhaltung war häufig einmal eine sinnvolle Überlebensstrategie.
Als Kind waren wir darauf angewiesen, dass jemand kommt. Dass jemand uns versorgt. Dass jemand Sicherheit gibt.

Das Problem entsteht erst, wenn wir als Erwachsene unbewusst darauf warten, dass immer noch jemand anderes unser Leben verändert, uns rettet oder erlöst.

Aktive Akzeptanz verändert alles

Ein Begriff, der meine Arbeit stark prägt, ist aktive Akzeptanz.

Sie bedeutet nicht: „Ich finde das gut.“

Sondern: „Ich erkenne an, dass es gerade so ist.“

Erst von dort aus entsteht Handlung. Nicht aus Widerstand gegen die Realität. Sondern aus Klarheit.

Selbstenergie statt Ohnmacht

Immer dann, wenn wir bewusst entscheiden können:

  • Ich bleibe.
  • Ich gehe.
  • Ich hole Hilfe.
  • Ich warte.
  • Ich verändere etwas.

… verlassen wir Stück für Stück die Ohnmacht.

Für mich ist genau das Selbstenergie. Nicht die Abwesenheit von Problemen.

Sondern das Vertrauen, dass ich – gemeinsam mit anderen oder allein – einen nächsten Schritt finden werde.