Der Maikäfer-Frame

Maikäfer-Frame Psychologin Sandra Popp

Eine Klientin sagte neulich einen Satz, der mich nicht mehr losgelassen hat.

„Ich fühle mich oft wie ein Maikäfer, der auf dem Rücken liegt und strampelt.“

Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr gefiel mir dieses Bild.

Nicht nur, weil es sich manchmal tatsächlich genau so anfühlt.

Sondern weil es mich an etwas erinnert hat, das wir alle hin und wieder tun:

Wir warten.

Wir warten darauf, dass andere sich anders verhalten.

Wir warten darauf, dass jemand versteht, was wir brauchen.

Wir warten darauf, dass jemand uns die Sicherheit, Aufmerksamkeit, Bestätigung oder Liebe gibt, nach der wir uns sehnen.

Und wenn das nicht passiert, dann finden wir oft sehr gute Gründe dafür, warum es uns nicht gut geht.

Die Schuld liegt dann bei den Umständen.
Bei der Kindheit.
Beim Partner.
Bei den Kollegen.
Bei der Familie.

Und bevor du mich missverstehst: Natürlich haben all diese Dinge einen Einfluss auf uns.

Die spannendere Frage ist nur:

Ab welchem Punkt wird das Festhalten daran teurer als das Übernehmen von Verantwortung?

Ab welchem Punkt ruhen wir uns auf der Unfähigkeit anderer Menschen aus, statt zu überlegen, was wir selbst tun könnten?

Keine leichte Frage.

Und ehrlich gesagt eine, die mich selbst immer wieder beschäftigt.

Denn Eigenverantwortung klingt oft viel romantischer, als sie sich anfühlt.

In meinem neuen Video spreche ich darüber, warum mich ein Maikäfer plötzlich so sehr zum Nachdenken gebracht hat – und weshalb die entscheidende Frage vielleicht nicht lautet:

„Warum hilft mir niemand?“

Sondern:

„Und was mache ich jetzt?“

Hier geht’s direkt zu meinem neuen Video.

Dein innerer Blumenladen

Blumenladen Psychologin Sandra Popp

In den letzten Wochen habe ich immer wieder dieselbe Beobachtung gemacht.

In meiner Praxis. Im Alltag. Und ehrlich gesagt auch bei mir selbst.

Wir warten unglaublich oft auf den perfekten Moment.

Darauf, dass wir mutiger werden.
Dass die Angst endlich kleiner wird.
Dass wir uns sicher genug fühlen.
Dass wir endlich bereit sind.

Und während wir warten, verpassen wir oft genau das, was uns eigentlich weiterbringen würde.

In meinem neuen Video erzähle ich unter anderem von einem Blumenstrauß. Nicht, weil es um Blumen geht. Sondern weil dieser Moment im Blumenladen etwas zeigt, das wir alle kennen: Den Augenblick, in dem wir merken, was wir eigentlich möchten – und gleichzeitig spüren, dass wir es gerade noch nicht aussprechen können.

Früher hätte ich wahrscheinlich gesagt: „Trau dich einfach.“ Heute sehe ich das anders.

Vielleicht beginnt Veränderung gar nicht damit, dass wir plötzlich mutig werden. Vielleicht beginnt sie damit, dass wir ehrlich zu uns selbst sind.

Dass wir bemerken:

„Ich hätte es gern anders gemacht. Und gleichzeitig konnte ich es gerade noch nicht.“

Für mich ist genau das der Anfang von Selbstenergie.

Nicht der Kampf gegen uns selbst. Nicht Selbstoptimierung.


Sondern eine Haltung, die gleichzeitig ehrlich, mitfühlend und verantwortungsvoll ist.

Wenn dich dieses Thema gerade begleitet, dann findest du das neue Video jetzt auf YouTube. Die Audios gibt es außerdem auch auf Spotify, falls du lieber beim Spazierengehen oder Autofahren hörst.

Vielleicht erkennst du dich in der Geschichte mit dem Blumenladen wieder.
Vielleicht aber auch in einem ganz anderen Moment deines Lebens.

Ich wünsche dir, dass du dir heute genau das gibst, was wir so oft allen anderen geben:

Ein ehrliches, freundliches „Es ist okay.“

Was bedeutet Eigenverantwortung wirklich?

Eigenverantwortung Psychologin Sandra Popp

(Und warum sie nichts mit Selbstoptimierung zu tun hat)

Eigenverantwortung hat kein besonders gutes Image.

Viele verbinden damit:

  • Du musst alles alleine schaffen.
  • Reiß dich zusammen.
  • Stell dich nicht so an.
  • Funktioniere.

Ich verstehe Eigenverantwortung völlig anders.

Eigenverantwortung bedeutet nicht, alles alleine zu schaffen

Ein kleines Kind braucht andere Menschen. Das ist normal. Auch Erwachsene brauchen andere Menschen. Das ist ebenfalls normal. Eigenverantwortung bedeutet deshalb nicht Unabhängigkeit.

Sie bedeutet, Verantwortung für den eigenen nächsten Schritt zu übernehmen. Und dieser Schritt kann genauso gut sein: „Ich brauche Hilfe.“

Die Opferhaltung ist selten Faulheit

Viele Menschen schämen sich dafür, sich manchmal hilflos zu fühlen. Ich finde, genau dafür gibt es keinen Grund. Die sogenannte Opferhaltung war häufig einmal eine sinnvolle Überlebensstrategie.
Als Kind waren wir darauf angewiesen, dass jemand kommt. Dass jemand uns versorgt. Dass jemand Sicherheit gibt.

Das Problem entsteht erst, wenn wir als Erwachsene unbewusst darauf warten, dass immer noch jemand anderes unser Leben verändert, uns rettet oder erlöst.

Aktive Akzeptanz verändert alles

Ein Begriff, der meine Arbeit stark prägt, ist aktive Akzeptanz.

Sie bedeutet nicht: „Ich finde das gut.“

Sondern: „Ich erkenne an, dass es gerade so ist.“

Erst von dort aus entsteht Handlung. Nicht aus Widerstand gegen die Realität. Sondern aus Klarheit.

Selbstenergie statt Ohnmacht

Immer dann, wenn wir bewusst entscheiden können:

  • Ich bleibe.
  • Ich gehe.
  • Ich hole Hilfe.
  • Ich warte.
  • Ich verändere etwas.

… verlassen wir Stück für Stück die Ohnmacht.

Für mich ist genau das Selbstenergie. Nicht die Abwesenheit von Problemen.

Sondern das Vertrauen, dass ich – gemeinsam mit anderen oder allein – einen nächsten Schritt finden werde.

Warum komme ich trotz Manifestation nicht ins Handeln?

Manifestieren Psychologin Sandra Popp

Manifestieren polarisiert.
Die einen halten es für Unsinn. Die anderen glauben, dass sich das Leben allein durch positives Denken verändert.

Ich glaube, beide Sichtweisen greifen zu kurz. Denn Gedanken können eine Richtung vorgeben. Sie ersetzen aber keine Handlung.

Warum Manifestation manchmal frustriert

Vielleicht kennst du das: Du visualisierst dein zukünftiges Leben. Du stellst dir vor, wie selbstbewusst du bist. Wie leicht dir Grenzen fallen. Wie entspannt deine Beziehung ist.

Und trotzdem verändert sich im Alltag erstaunlich wenig.

Warum?

Weil zwischen Vorstellung und Realität häufig etwas liegt, das wir übersehen: Unser Nervensystem.

Gedanken allein verändern keine Erfahrungen

Unser Gehirn lernt vor allem durch Erfahrungen. Nicht dadurch, dass wir uns vorstellen, mutig zu sein. Sondern dadurch, dass wir trotz Angst kleine Erfahrungen sammeln. Deshalb ist Manifestation für mich kein Ziel. Sie ist höchstens ein Startpunkt. Sie kann helfen, Klarheit zu gewinnen. Sie kann zeigen: „So möchte ich leben.“

Aber irgendwann braucht es eine Handlung. Und sei sie noch so klein.

Die Frage, die ich mir lieber stelle

Nicht: „Wie werde ich diese Version von mir?“

Sondern: „Was würde diese Version heute tun?“

Vielleicht würde sie keine perfekte Rede halten. Vielleicht würde sie einfach die E-Mail abschicken. Oder den Blumenstrauß anders zusammenstellen lassen. Oder ehrlich sagen: „Ich brauche Zeit.“

Große Veränderungen beginnen selten groß. Sie beginnen erstaunlich unspektakulär und manchmal nur mit einem einzigen kleinen Prozent hin zu mehr Selbstkongruenz.

Warum fällt es mir so schwer, Grenzen zu setzen?

Grenzen setzen Psychologin Sandra Popp

Die eigentliche Ursache liegt oft nicht im fehlenden Mut.

Menschen fragen mich häufig, warum sie genau wissen, was sie eigentlich sagen oder tun möchten – und es trotzdem nicht schaffen.
Sie gehen aus einem Gespräch heraus und denken: „Warum habe ich schon wieder Ja gesagt?“
Oder sie ärgern sich noch Tage später über sich selbst, weil sie nichts gesagt haben.

Die naheliegende Erklärung lautet oft: „Ich bin einfach nicht selbstbewusst genug.“

Ich glaube allerdings, dass das nur selten die eigentliche Ursache ist.

Grenzen setzen scheitert oft nicht am Selbstbewusstsein

Wenn wir Grenzen setzen, passiert in unserem Gehirn und Nervensystem sehr viel mehr, als uns bewusst ist.

Vielleicht hast du früh gelernt:

  • Harmonie ist wichtiger als Ehrlichkeit.
  • Andere nicht zu enttäuschen sorgt für Sicherheit.
  • Konflikte sind gefährlich.
  • Anpassung schützt Beziehungen.

Wenn das über viele Jahre deine Erfahrung war, entwickelt dein Nervensystem eine sehr sinnvolle Überlebensstrategie. Es versucht, Konflikte zu vermeiden. Nicht weil du schwach bist. Sondern weil dein System dich schützen möchte.

Deshalb reicht positives Denken oft nicht aus

Du kannst dir hundertmal vornehmen: „Heute sage ich Nein.“
Wenn dein Nervensystem dabei Alarm schlägt, fühlt sich dieser Satz nicht nach Selbstfürsorge an, sondern nach Gefahr. Genau deshalb erleben viele Menschen Rückschläge und denken anschließend: „Mit mir stimmt etwas nicht.“

Dabei scheitert es häufig an einer ganz anderen Stelle: dem Maßstab.

Was stattdessen hilft

Ich arbeite mit einem Gedanken, der für viele zunächst ungewohnt ist: Nicht der perfekte Satz verändert dein Leben. Sondern der nächste kongruente Schritt.

Vielleicht bedeutet das heute noch gar nicht, laut Nein zu sagen. Vielleicht bedeutet er zunächst nur wahrzunehmen: „Eigentlich möchte ich gerade Nein sagen.“

Das klingt klein.

Für dein Nervensystem ist es oft ein riesiger Unterschied.

Selbstenergie statt Selbstoptimierung

Ich spreche gern von Selbstenergie.
Damit meine ich den Zustand, in dem du Entscheidungen nicht mehr ausschließlich aus Angst, Schuld oder Anpassung triffst, sondern zunehmend aus einer Verbindung mit dir selbst.

Je häufiger du diese Erfahrung machst, desto weniger musst du dich irgendwann überwinden. Nicht weil deine Angst verschwunden ist. Sondern weil dein Vertrauen in dich selbst gewachsen ist.

Vielleicht beginnt Selbstwert genau dort.

Nicht beim perfekten Nein. Sondern im ehrlichen Kontakt zu dir selbst.